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Wer ein Musikstück nachsingen möchte, muss auf eine Karaoke-Version zurückgreifen, also ohne den Gesang,
um später den Eigenen darüberzulegen. Die “Hintergrundgeräusche” (Melodie, Drums, …) sollten dabei so wenig wie möglich verändert werden,
das Problem besteht jedoch darin, dass so gut wie jedes Lied ausschließlich im Stereoformat vorliegt, d.h. im Klartext,
dass der Gesang und die Instrumente in eine Tonspur gequetscht (und damit überlagert) sind.

Aus diesem Grund ist es leider nicht möglich, beides voneinander unabhängig zu extrahieren, aber mit ein bisschen Nachkorrektur mit Equalizer und Co kann das Ergebnis doch recht präsentabel werden.
Hierzu verwende ich die Freeware Audacity, einem sehr umfangreichem Audio-Bearbeitungsprogramm.

 

Theoretische Funktionsweise

Es gibt ein paar wenige Bedingungen der Lied-Datei, die erfüllt sein müssen, damit die ganze Sache funktionioniert:

  • Datei muss im Stereoformat vorliegen
  • Gute Qualität erforderlich, da diese durch die Bearbeitung sowieso herabgesetzt wird

Besonders bei stark komprimierten Tondateien (mp3 < 3MB) kommt es zu einem metallischem Klang, der durch Kompressionsartefakte entsteht, damit muss man leider auskommen, ausbessern kann man das nicht.

Zwei Punkte sind ausschlaggebend, einmal, dass der Gesang meist auf dem linken und rechten Kanal die gleiche Intensität hat, also mono vorliegt.
Der Rest des Liedes ist im Stereoformat gespeichert, wodurch sich die beiden Kanäle unterscheiden und genau dieser Aspekt macht das Entfernen der Stimme möglich.

Dazu wird ein Kanal invertiert, bildhaft also ein “Negativ” erstellt. Bei einem Foto würde der Vergleich zwischen positiv/negativ einen extremen Unterschied darstellen, bei Musik jedoch nicht, da Lautsprecher so oder so mit einer Wechselspannung angesteuert werden und ein Spiegeln der Amplitude wenig verändert.

Somit hat man jetzt eine negatives Abbild des Gesangs von einer Spur in einer zweiten Spur, werden nun beide gleichzeitig abgespielt, heben sie sich gegenseitig auf (Prinzip des Antischalls).

Da die restlichen Töne aber nicht exakt kongruent sind (Stereo), sprich sich auslöschen, bleibt das Wesentliche erhalten – wie gesagt, ein Teil geht dennoch verloren, insbesondere die Bässe, die auch meist relativ mittig liegen.

Problematisch können auch taktgebende Instrumente (Drums) sein, weil diese meist mono aufgezeichnet werden bzw. nur als ein Kanal einfließen.

 

Schritt-für-Schritt-Anleitung

Möglichkeit 1: Komplette Auslöschung

Nachdem eine Audiodatei importiert wurde, öffnet man das Drop-Down-Menü der Stereospur mit einem Klick auf das Dreieck:

Hier den Punkt “Stereo in Monospuren” anklicken.

Eine der beiden Spuren anwählen über den Hauptmenü-Reiter “Effekt” –> “Invertieren” die Tonspur spiegeln.

Das wars auch schon – da sich jetzt aber beide Spuren in der Lautstärke addieren, erscheint das Ganze doppelt so laut als zuvor.

Lösung: Jede Spur um -6dB leiser regeln, das entspricht der halben Intensität.

Jetzt kann man abschließend noch mit Shift beide Spuren markieren und unter “Spuren” –> “Spuren zusammenführen” beide kombinieren.

Als Ergebnis liefert das eine Monospur, welche man unter “Bearbeiten” –> “In neue Tonspur kopieren” dupliziert.

Danach wieder beide markieren und im Drop-Down-Menü auf “Stereotonspur erstellen” klicken.

Verbesserungen

Natürlich geht bei der Auslöschung auch der Bass verloren, diesen kann man aber mit einem einfachen Trick wieder hinzugefügt werden.

Dazu fügt man das Lied als neue Tonspur ein und legt einen Tiefpassfilter drüber, mit einer Grenzfrequenz von etwa 150Hz.

Diesen Schritt kann man wiederholen, also das Lied nochmals als neue Spur einfügen, aber diesmal einen Hochpassfilter mit etwa 2kHz.

Möglichkeit 2: Auslöschung innerhalb eines Frequenzbandes

Audacity bietet auch eine bereits integrierte Funktion an, die unter “Effekt” –> “Vocal Remover” zu erreichen ist.

Hier kann man ein bestimmtes Frequenzband auswählen, welches zur Invertierung verwendet werden soll, sinnvollerweise wählt man den Frequenzbereich der menschlichen Stimme, was man je nach Lied auch noch anpassen sollte.

Bei dieser Methode wird zwar der Gesang nicht vollständig entfernt, aber wenigstens bleiben taktgebende Instrumente teilweise erhalten, wenn auch deutlich abgeschwächt.

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